20. – 24. Juni 2026
Nordwestlich des Gardasees liegt am Ende des Valle di Daone der Lago di Malga Bissina und dient als Ausgangspunkt für die 5-tägige Umrundung des Adamello Nationalparks. Entlang des Stausees führt der ausgetretene Weg erst durch lockeren Mischwald und danach am Ufer des türkisfarbenen Fiume Chiese zum Rifugio Val di Fumo (1918m). Dort werden wir von der Hüttenwirtin Michaela und ihrem jungen Team freundlich begrüßt. Das köstliche Rindercarpaccio, das wir anschließend zum Abendessen serviert bekommen, schätzen wir umso mehr nachdem wir erfahren, dass sämtliche Lebensmittel zu Fuß zur Hütte geschleppt werden müssen.
Über einen steilen Bergrücken verlassen wir am nächsten Morgen das Val di Fumo und erreichen nach 3-stündigem Aufstieg den Passo delle Vacche (2872m). Hier stoßen wir erstmals auf die Relikte des 1. Weltkrieges, die vom ehemaligen Frontverlauf zwischen Österreich/Ungarn und Italien zeugen. In den Jahren 1915-1918 herrschte hier der „weiße Krieg“ (Guerra Bianca). Entlang dieser Front in Schnee und Eis in 3000m Seehöhe verloren tausende von Soldaten nicht nur durch Kugeln, sondern vor allem auch durch Kälte und Lawinen ihr Leben.
Auch wenn wir an dem in weiterer Folge zu überquerenden Sattel Bocca di Canca bereits unser Tagesziel, das Rifugio Caré Alto (2459m) erblicken, sind davor noch grobe Schuttfelder mit mannshohen Felsblöcken zu queren. Bei der Hütte treffen sich die Aspiranten für den begehrten Adamello-Gipfel Monte Caré Alto, der eine Höhe von 3463m erreicht. Sogar bis zum Ostgrat hinauf herrschte ein erbitterter Kampf, davon zeugt noch heute die Bocchetta del Cannone (2827m). Für die Besteigung dieses alpinistischen Leckerbissens wäre jedoch ein zusätzlicher Tag einzuplanen.
Aufgrund eines Azorenhochs, das uns hohe Temperaturen beschert, brechen wir am folgenden Tag frühzeitig auf, um nicht in knietiefem Gletscherschnee hängenzubleiben. Noch im Schein der Stirnlampe werden reißende Schmelzwasserbäche teils über Drahtseilsicherungen überquert und mit den ersten Sonnenstrahlen wird der Sella di Niscli (2878m) erreicht, wo wir uns für den weiteren Gletscheranstieg anseilen.
Unterhalb des markanten Gipfels Corno di Cavento (3191m) queren wir den Lares Gletscher und erreichen eine abweisende und steinschlaggefährdete Scharte, den Passo di Cavento (3191m). Ohne die etwas nördlich der Scharte erst kürzlich neu installierten Stahlseilsicherungen wäre das am Pass gelegene Bivaco Laeng sehr schwierig und gefährlich erreichbar. Das Biwak ist für 6 Personen ausgelegt und mit entsprechender Ausstattung versehen.
Alternativ bietet sich auch die etwas schwierigere Variante mit Überschreitung des Corno di Caventos und direktem Abstieg in die Scharte. Neu eingerichtete Abseilpunkte und Stahlseilsicherungen führen auf der anderen Seite des Biwaks hinab auf den westlich der Scharte angrenzenden Fumo-Gletscher. Dieser geht in Richtung des bereits in größerer Entfernung sichtbarem Rifugio Lobbia Alta (3020m) in den Lobbia-Gletscher über. Wie ein Adlerhorst thront die Lobbia Alta Hütte im Blockmeer und bietet eine fantastische Aussicht auf den Corno di Bianco mit seinem umgrenzenden Mandrone-Gletscher. Das frisch gezapfte Bier befeuchtet die nach dieser schweisstreibenden Getscherquerung trockenen Kehlen.
Es klingt unglaublich, aber im Jahr 1984 landete Papst Johannes Paul II überraschend mit dem Hubschrauber bei der Hütte, um am Gletscher Schi zu fahren. Das Zimmer, in dem der Papst nächtigte, sowie seine alpine Schiausrüstung sind in der Hütte im Originalzustand erhalten. Zudem befindet sich unweit der Hütte ein Granitaltar, wo der Papst 1988 eine Bergmesse zelebrierte. Der begeisterte Karol Wojtyla erhielt aus diesem Grund auch den Beinamen „der Athlet Gottes“.
Am nächsten Tag ist Spürsinn gefragt, denn es führen nur spärlich geschlichtete Steinmänner hinab zum Mandrone-Gletscher. Behutsam überqueren wir diesen, denn seine Spalten sind noch völlig vom Altschnee verdeckt in den man jedoch hier und da tiefer einbricht. Die Traverse scheint nicht enden zu wollen, obwohl das Bivaco Giannantoni bereits von Weitem ersichtlich ist. Auf einem Felssporn gelegen, bietet es einen weitreichenden Ausblick auf den Adamello, mit 3.539m der höchsten Erhebung im Adamello Nationalpark.
Unser Weitermarsch über den nordöstlich des Biwaks ausgerichteten Felskamm, der anfangs noch gut markiert ist, erweist sich als falsch und so stehen wir ungeplant auf einem Gipfel, dem Pico de Giannantoni (3.205m). Es geht wieder zurück zur Scharte unweit des Biwaks, von wo aus wir auf den talwärts ziehenden Adame-Gletscher gelangen.
Der darauffolgende Abstieg ins Valle Adame erfordert höchste Konzentration. An der westlichen Begrenzung der Gletscherzunge geht es steil über Firnfelder, einen Moränenrücken und Felsstufen hinab ins Tal. Die von Eis glattgeschliffenen Felspassagen sind teilweise mit alten Eisenketten versichert und erleichtern den Abstieg. Die alte Wegmarkierung ist abgewittert und kaum mehr zu finden.
Im Tal verabschieden wir uns von der rauhen Welt aus Fels und Eis und marschieren durch das bezaubernde Adame-Tal. Wie von Künstlerhand geschaffen liegen hier riesige Felsblöcke mit messerscharfen Bruchkanten auf prachtvollen Blumenwiesen verstreut, durch die sich der Poja di Adame mit seinem glasklaren Wasser schlängelt. Stück für Stück nähern wir uns wieder der Zivilisation. In der Rifugio Baita Adame (2.100m) stärken wir uns mit Pasta und Bier, um nach einer weiteren Stunde das Rifugio Citta Lissone zu erreichen. Nachdem uns der Wirt mit trentiner Spezialitäten und hausgemachtem Schafgarben Grappa verwöhnt hat, legen wir uns zufrieden in unser Lager und sind froh, dass dieser Tag zu Ende geht.
Nur mehr ein steiler Bergrücken trennt uns von unserem Ausgangspunkt und so gelangen wir am nächsten Tag über eine gerölldurchsetzte Scharte nach 600 Höhenmetern in den Passo di Rosso (2.600m). Wieder treffen wir auf die Spuren des Krieges und die noch deutlich zu erkennenden Schützengräben. Schlagartig verändert sich mit überqueren des Passes die Bergwelt und wir gelangen in eine sanfte blumen- und kräuterreiche Almlandschaft. Von der Almwirtschaft Malga Ervina sind wir nur mehr unweit von unserem Ausgangspunkt entfernt und können auf eine landschaftlich herausragende Umrundung des Adamello Nationalparks zurückblicken.
verfasst am 25.06.2026 am Ufer des Ledro-Sees
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Es wird dringend empfohlen diese Tour nur bei stabilen Wetterbedingungen und mit entsprechender Alpinerfahrung zu unternehmen, da weite Strecken über unmarkiertes Gelände führen, bzw. alte Markierungen nur schwer zu finden sind.
















