Abenteuer Mongolei

Die faszinierenden Landschaften des dünn besiedelten Landes wollen erobert werden.
07. 2025
 

Bereits in den frühen Morgenstunden haben wir im Komfort unseres Geländewagens die im dichten Verkehr stöhnende Hauptstadt Ulaanbataar hinter uns gelassen, um in eine Bilderbuchlandschaft einzutauchen, wie wir sie noch kaum woanders erlebt haben. Schon bald verabschieden wir uns vom Asphalt und unser ortskundiger Fahrer lotst uns zielsicher zwischen Yak-und Ziegenherden über unmarkierte Offroad-Trails durch die faszinierende Landschaft.

Nach unserer ersten Zeltnacht in Erdenebulgan am Ufer des Eg Gol machen wir uns auf die Suche nach einer im Nordosten gelegene Fährstelle, um den Fluss queren zu können. Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, dass die Fähre wahrscheinlich die TÜV-Zertifizierung verfehlt hat und außer Dienst gestellt wurde. Der Fluss ist ohne dieses Hilfsmittel an dieser Stelle unpassierbar. Während der ratlosen Zwangspause versuchen wir unser Anglerglück im tiefblauen Flusswasser. Schon bald kündigen Motorengeräusche einen Bauern auf seinem Moped an, der auf dem Weg zu seiner Viehherde ist. Von ihm erhalten wir eine hilfreiche Auskunft über eine weiter östlich gelegene Furt, die für unser Fahrzeug machbar wäre. Bei der mehr als 50m breiten Flussquerung schwappt uns das Wasser bis über die Kühlerhaube und wir sind froh, dass wir nicht selbst das Lenkrad steuern, sondern die Querung als Beifahrer „genießen“.
Mittags erreichen wir eine Almwirtschaft und werden von der Hirtenfamilie freundlich empfangen.

Die mongolische Küche ist zwar einfach, aber sehr sättigend. Zur Begrüßung wird ein leicht gesalzener Schwarztee mit Kuhmilch gereicht. Dazu gibt es manchmal ein Stück Schwarzbrot mit Bauernbutter und je nach Region auch Schwarzbeermarmelade. Das gängigste Hauptgericht der Mongolen nennt sich Tsuivan und ist ein Nudeleintopf bestehend aus gebratenem Hammel- oder Rindfleisch mit Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten, dieser wird ausschließlich mit Salz gewürzt. Zum Schluss kommt die Hausherrin mit einer Karaffe Milchschnaps, das ist ein geringprozentiger selbstvergorener Schnaps aus eigener Milchproduktion und man sollte seine Wirkung nicht unterschätzen. Traditionell wird dabei dem Gast ein kleiner Geldschein überreicht und einige Tropfen vom Schnaps dabei in die Luft gewirbelt. Das soll zu lebenslangem Glück verhelfen.

Schweren Mutes verlassen wir diesen schönen Flecken Erde und sind dankbar für diese warmherzige Gastfreundschaft. Abends empfängt uns die Mutter von unserem Fahrer in Chandmani Ondor und wir dürfen in ihrer Hütte nächtigen. Nach einer kräftigen Rindsuppe zum Frühstück fahren wir über unwegsames Gelände an der Ostseite des Khuvsgul Sees nach Norden bis zu den heißen Quellen in Bulnay. Nach tagelangem Reisen ist das heiße Wasser eine willkommene Abwechslung und verhilft zu geistigem und körperlichem Wohlbefinden. Allerdings bedarf es anfangs etwas an Mut - die Wassertemperaturen liegen zwischen 42 und 46 Grad.

Unser Fahrer macht sich seit geraumer Zeit Sorgen um den Hinterreifen, der Luft verliert und zum Glück finden wir in Khatgal einen einfachen Reifenhändler, der uns den Nagel zieht und den Reifen wieder dichtet. Ein Reifenwechsel im Gelände wäre in unserem Beladezustand sehr mühsam gewesen.

Westlich des Khuvsgul Sees verändert sich die Landschaft in eine von steilen Felszacken geformte Bergregion. Hier in Bayanzurh, in der Heimat des Mönchsgeiers, verbringen wir schöne Tage, um einige vom saftigen Lärchenwald eingeschlossene Berggipfel zu erklimmen. Hier fällt die Erinnerung an folgenden Liedertext nicht schwer:

„Ist es nicht ein wunderbares Leben, frei wie sonst Zigeuner nur sind, einmal hier und einmal dort zu leben, hin und her zu ziehen wie der Wind. Manchesmal auch irgendwo zu bleiben, wo die Welt besonders schön, die Erinnerung wird uns stets begleiten, wenn wir auch woanders sind“……

Altenberg bei Linz, August 2025